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Arbeitsgruppe Methoden

2. Summerschool (09.-11.10.2008)

"Methodische Grundlagen der Rehabilitationsforschung"

Die Summerschool der Arbeitsgruppe Methoden der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitations­wissenschaften wurde 2008 zum zweiten Mal für Nachwuchs­wissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler angeboten. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung in Kooperation mit dem Rehabilitations-wissenschaftlichen Forschungsverbund Freiburg/Bad Säckingen organisiert. Das Konzept, das sich bei der Durchführung der ersten Summerschool 2007 in Magdeburg-Stendal sehr gut bewährt hatte, wurde beibehalten: Zentrale Stadien und Aufgaben bei der Durchführung von rehabilitationswissenschaftlichen Studien wurden in einzelnen, aufeinander aufbauenden Vorträgen durch die Mitglieder der AG Methoden dargestellt und anschließend bezüglich möglicher Implikationen für die Forschungsvorhaben der Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert. So wurde der Ablauf einer umfassenden empirischen Studie nachgezeichnet, um einen detaillierten Einblick in Standards und Problemlösungen bei rehabilitations­wissenschaftlichen Forschungsstudien geben zu können. Dabei standen folgende Einzelthemen im Mittelpunkt:

  • Entwicklung von Forschungsfragestellungen: Es wurde ein Überblick über typische Forschungsfragestellungen, Förder- und Publikationsmöglichkeiten in der Rehabilitation gegeben. Hierbei war von besonderer Bedeutung die Forschungsschwerpunkte, wie sie in der DGRW-Expertise (Koch, Lehmann & Morfeld, 2004) formuliert sind, vor dem Hintergrund der Interessen und Möglichkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Bezug auf konkrete praktische Umsetzbarkeit zu diskutieren.
  • Auswahl von Forschungsdesigns: Die Bedeutung der Kriterien der evidenzbasierten Forschung und die methodischen Anforderungen an aussagekräftige, komplexe Evaluationsdesigns (Wirtz et al., 2007) wurden an Beispielen aus der Rehabilitation demonstriert. Dabei wurden insbesondere die Relevanz kontrollierter Designs, der systematischen Kombination formativer und summativer Evaluationsmethoden sowie der Überprüfung der Implementationsqualität in der klinischen Praxis betont. 
  • Auswahl von Assessmentinstrumenten und –strategien: Neben einem Überblick über Assessmentstandards und –instrumente (Bengel, Wirtz & Zwingmann, 2008) wurden spezifische Besonderheiten diagnostischer Methoden in der Rehabilitation behandelt (z.B ICF-orientiertes Assessment, kombinierter Einsatz von Screening und Assementmethoden sowie generischer und erkrankungsspezifischer Verfahren, multidimensionales Assessment).
  • Auswahl von Untersuchungsstichproben: Die Bedeutung der Repräsentativiät bzw. von Kontrolltechniken bei Verletzungen der Repräsentativität wurden in Bezug auf rehabilitationswissenschaftliche Studien verdeutlicht. Des Weiteren wurden Maßnahmen zur Optimierung der Stichprobenplanung (z.B. Bestimmung notwendiger Stich­proben­umfänge) vermittelt.
  • Methoden zur Sicherung der Datenqualität, insbesondere Umgang mit fehlenden Werten und systematischem Daten-drop-out bei Längsschnittstudien.
  • Einfache und multivariate statistische Datenanalysemethoden: Zum einen wurden grundlegende Kriterien für aussagekräftige statistische Datenanalysen (z.B. Auswahl korrekter Signifikanztests, Bestimmung von Effektstärken) behandelt. Zum anderen wurde gezeigt, welche Möglichkeiten moderne multivariate statistische Verfahren (Struktur­gleichungsmodelle) eingesetzt werden können, um komplexe Theoriemodelle empirisch zu testen.
  • Publikationsstandards für rehabilitationswissenschaftliche Studien

Neben diesen inhaltlichen Schwerpunkten wurden die Struktur und die Inhalte der Summerschool durch die spezifischen Probleme und Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmt. Durch den intensiven Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und mit den Dozenten konnten gezielte Problemlösungen erarbeitet sowie gemeinsame Forschungsinteressen und Probleme identifiziert werden. An allen Tagen der Summerschool waren alle Referenten zu jeder Veranstaltung anwesend, so dass zu jeder Zeit mit allen Teilnehmern entsprechende Fragen erörtert werden konnten. Die Verbesserung der Kommunikation unter den TeilnehmerInnen und die Initiation inhalts- und problemorientierter Vernetzungen wurde von den TeilnehmerInnen als besonders wertvoll empfunden. Die Summerschool hat sich also auch in diesem Jahr wieder als effektives Instrument erwiesen, um das Ziel einer gut organisierten Nachwuchsförderung im Bereich der Rehabilitation realisieren zu können.

 

Literatur:

Bengel, J., Wirtz, M. & Zwingmann, C. (Hrsg.) (2008). Diagnostische Verfahren in der Rehabilitation. Göttingen: Hogrefe.

Koch, U., Lehmann, C. & Morfeld, M. (2004). Bestandsaufnahme und Zukunft der Rehabilitationsforschung in Deutschland. Die Rehabilitation, 46(3), 127-144.

Wirtz, M., Morfeld, M., Igl, W., Kutschmann, M., Leonhart, R., Muche, R. & Schön, G. (2007). Organisation methodischer Beratung und projektübergreifender Forschungsaktivitäten in multi­­zentrischen Forschungsprogrammen. Die Rehabilitation, 46(3), 145-155.

Prof. M. Wirtz


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